Öko Test prüft Spaghetti: Die Mehrheit enthält Schadstoffe wie Glyphosat

Sie stehen für typisch italienische Nudelgerichte: Spaghetti mögen nicht nur Kinder gern, Genießer jeden Alters wissen sie zu schätzen. Ob mit Tomatensauce oder als Bolognese, mit Meeresfrüchten oder mit Pesto, die langen Nudeln lassen sich immer wieder anders servieren. Wer Spaghetti kaufen möchte, greift oft zu getrockneten Nudeln aus dem Supermarkt. Wie ist es um deren Qualität bestellt? Unter den 20 Spaghetti im Test von Öko-Test (Heft 02/2021) schneiden insgesamt acht Produkte mit der Note „Sehr gut“ ab, darunter alle fünf Bio-Spaghetti. Die Mehrheit der Testkandidaten fällt allerdings aufgrund der enthaltenen Schadstoffe negativ auf. So sind nur drei der 15 konventionell hergestellten Spaghetti frei vom Pestizid Glyphosat. In vier Produkten finden die Tester gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH), einige Nudeln enthalten zudem Schimmelpilzgifte. In Spuren ist das unbedenklich, in zwei Produkten findet sich jedoch ein erhöhter Gehalt.

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Alle Bio-Spaghetti im Test erhalten die Note „Sehr gut“

Die Alnatura-Spaghetti sind Testsieger

Als beste Bio-Spaghetti im Testbericht schneiden die Alnatura Spaghetti No 3. (etwa 0,79 Euro) ab. Sie sind frei von Pestiziden, Mineralölbestandteilen und Schimmelpilzgiften und bestehen die Schadstoff-Prüfung ohne Beanstandung. Keine Kritikpunkte gibt es auch bei der sensorischen Prüfung. Die Nudeln riechen stark nach Grieß und deutlich nach Stärke und fallen durch ihr leicht bissfestes Mundgefühl positiv auf. Die Endnote lautet „Sehr gut“.

Die Ergebnisse fĂĽr die Alnatura Spaghetti No. 3 im Ăśberblick:
+ Inhaltsstoffe
+ Sensorik
+ keine weiteren Mängel

Merkmale:
âś“ Herkunft des Weizens/ Herstellungsland: EU/ Italien
âś“ Pestizidbelastung: nein
✓ Mineralölbestandteile: nein
âś“ Schimmelpilzgifte: nein


Platz 2 geht an die Bioladen Spaghetti von Weiling

Ebenfalls mit „Sehr gut“ bewertet Öko-Test die Weiling Bioladen Spaghetti (etwa 1,09 Euro). Sie riechen und schmecken deutlich nach Grieß und Stärke. Das Mundgefühl ist deutlich bissfest und leicht stumpf. Das liegt im Herstellungsprozess begründet: Die Spaghetti werden mit Bronzeformen gefertigt, welche die Oberfläche leicht aufrauen. Saucen sollen so besser haften. Pestizide und Rückstände von Mineralöl stellen die Tester nicht fest, finden allerdings Spuren von Schimmelpilzgiften. Da es sich nur um geringe Spuren handelt, führt dies nicht zur Abwertung.

Die Ergebnisse fĂĽr die Weiling Bioladen Spaghetti im Ăśberblick:
+ Inhaltsstoffe
+ Sensorik
+ keine weiteren Mängel

Merkmale:
âś“ Herkunft des Weizens/ Herstellungsland: Italien/ Italien
âś“ Pestizidbelastung: nein
✓ Mineralölbestandteile: nein
âś“ Schimmelpilzgifte: Spuren


Auch alle drei weiteren Bio-Spaghetti sind „sehr gut“

Alle drei weiteren Spaghetti in Bio-Qualität erhalten ebenfalls die Gesamtnote „Sehr gut“:

  • Die Dennree Spaghetti (etwa 0,79 Euro) sind frei von jeglichen Schadstoffen und ĂĽberzeugen auch in der sensorischen PrĂĽfung.
  • Die dmBio Spaghetti (etwa 0,75 Euro) sind nicht nur besonders gĂĽnstig, sie gefallen auch im Geruchs- und Geschmackstest. Sie enthalten geringe Spuren von Schimmelpilzgiften. Dem Hersteller zufolge wurde die Produktion der dm-Spaghetti verändert und sie werden kĂĽnftig mit traditionellen Bronzeformen gefertigt.
  • Die Rapunzel Spaghetti Semola No. 5 (etwa 1,49 Euro) bieten ebenfalls einen deutlichen Geruch und Geschmack nach GrieĂź und Stärke bei bissfestem, glattem MundgefĂĽhl. Sie enthalten leichte Spuren von Schimmelpilzgiften.

Viele herkömmlichen Spaghetti enthalten Schadstoffe

Die besten Nudeln bietet Aldi Nord

Testsieger unter den konventionellen Nudeln sind die Nord D’Antelli Spaghetti (etwa 0,48 Euro). Sie enthalten keine Schadstoffe und fallen in der sensorischen PrĂĽfung durch einen deutlichen Geruch und Geschmack nach GrieĂź und Stärke auf. Das MundgefĂĽhl ist leicht bissfest und glatt. Leichte Kritik gibt es an der auf der Verpackung angegebenen kleinen Portionsgröße, welche die Tester als unrealistisch beurteilen. In Zukunft möchte der Anbieter auf diese Angabe verzichten. So erhalten die Aldi Spaghetti die Note „Sehr gut“.

Die Ergebnisse fĂĽr die Aldi Nord D’Antelli Spaghetti im Ăśberblick:
+ Inhaltsstoffe
+ Sensorik
+ keine weiteren Mängel

Merkmale:
âś“ Herkunft des Weizens/ Herstellungsland: ĂĽberwiegend Deutschland/ Deutschland
âś“ Pestizidbelastung: nein
✓ Mineralölbestandteile: nein
âś“ Schimmelpilzgifte: nein


De Cecco erreicht Platz 2

Die Note „Sehr gut“ geht auch an die vergleichsweise teuren De Cecco Spaghetti n° 12 (etwa 2,33 Euro). Sie überzeugen mit Geruch und Geschmack und einem deutlich bissfesten, glatten Mundgefühl. Zur Herstellung werden traditionelle Bronzeformen verwendet, eine dadurch angeraute Oberfläche bemerken die Tester jedoch nicht. Die Spaghetti sind frei von Pestiziden und Mineralölbestandteilen und enthalten nur geringe Spuren von Schimmelpilzgiften.

Die Ergebnisse für die De Cecco Spaghetti n° 12 im Überblick:
+ Inhaltsstoffe
+ Sensorik
+ keine weiteren Mängel

Merkmale:
âś“ Herkunft des Weizens/ Herstellungsland: keine Angabe/ Italien
âś“ Pestizidbelastung: nein
✓ Mineralölbestandteile: nein
âś“ Schimmelpilzgifte: Spuren


So schneiden die ĂĽbrigen Spaghetti im Test ab

Mit der Note „Sehr gut“ bewertet Öko-Test auch die Teigwaren Riesa Schlemmerliebling Spaghetti (etwa 0,97 Euro), die sowohl im Schadstofftest als auch in der sensorischen Prüfung überzeugen. Insgesamt sieben Produkte erhalten die Endnote „Gut“, darunter

  • die Barilla Spaghetti n.5 (etwa 1,64 Euro),
  • die Newlat Buitoni Spaghetti 72 (etwa 1,37 Euro),
  • die gĂĽnstigen Rewe Ja! Spaghetti (etwa 0,47 Euro) und
  • die Kaufland K-Classic Spaghetti (etwa 0,48 Euro).

Während sie die sensorische Prüfung ohne Beanstandung überstehen, fallen alle „guten“ Spaghetti im Schadstofftest durch ihren Glyphosat-Gehalt auf. Barilla, Buitoni und K-Classic enthalten zudem Spuren von Schimmelpilzgiften, die Kaufland-Spaghetti auch Spuren des Pestizids Pirimiphos-methyl.

Die Note „Befriedigend“ geht an die Aldi Süd Cuccina Spaghetti (etwa 0,50 Euro) und die Netto Marken-Discount Mondo Italiano Spaghetti (etwa 0,47 Euro). Zusätzlich zum Glyphosat-Gehalt kritisieren die Tester einen leicht erhöhten Gehalt an Mineralölbestandteilen. In der sensorischen Überprüfung gefallen die Nudeln dagegen.

„Ausreichend“ sind die Lidl Combino Spaghetti (etwa 0,47 Euro), „mangelhaft“ die Edeka Gut & Günstig Spaghetti No. 5 (etwa 0,49 Euro). Beide Produkte enthalten neben Glyphosat auch dessen Abbauprodukt AMPA sowie einen erhöhten Anteil des Schimmelpilzgiftes Deoxynivalenol (DON). Die Edeka-Spaghetti fallen zudem durch Spuren von Mineralölbestandteilen auf. Lediglich „ungenügend“ sind die Penny Spaghetti (etwa 0,49 Euro), die außer Glyphosat auch einen stark erhöhten MOSH-Gehalt aufweisen.


Was ist eigentlich Glyphosat?

Glyphosat ist ein Unkrautvernichtungsmittel und gehört zur Gruppe der sogenannten Totalherbizide. Das bedeutet, es vernichtet jede Pflanze, die nicht gentechnisch verändert wurde, um dem Herbizideinsatz standzuhalten. Glyphosat-Produkte wie Roundup von Bayer-Monsanto gehören zu den meistverkaufen Unkrautvernichtungsmitteln der Welt.

Wie gefährlich ist Glyphosat?

Wie gefährlich ist Glyphosat? Um diese Frage gibt es durchaus Auseinandersetzungen. Währen die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) das Herbizid als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen einstuft, schließt sich die Europäische Chemikalienagentur (Echa) diesem Urteil nicht an. Echa räumt allerdings ein, dass Glyphosat die Gesundheit auf andere Weisen schädigen kann: So könne das Herbizid beim Auftragen aufs Feld schwere Augenschäden verursachen. Außerdem sei es giftig für Wasserorganismen.

Die in den Spaghetti nachgewiesenen geringen Spuren von Glyphosat sind für die menschliche Gesundheit nicht akut gefährlich. Ein Risiko besteht, wenn Verbraucher auch auf anderem Wege viel Glyphosat zu sich nehmen. Vor allem aber geht von Glyphosat eine Gefahr für die Biodiversität aus. Da es alle Pflanzen abtötet, zerstört das Totalherbizid nämlich auch die Lebensgrundlage für viele Insekten und Vogelarten.

Warum wird Glyphosat nicht verboten?

Auch in Deutschland ist Glyphosat das am meisten genutzte Spritzmittel, obwohl schon im Koalitionsvertrag von 2018 ein Totalverbot erwogen wurde. Ein solches nationales Totalverbot lässt sich jedoch eventuell europarechtlich nicht durchsetzen. Aktuell hat das Mittel eine EU-Zulassung bis Ende 2022. Ob es danach zum Verbot kommt, ist offen. Eine Gruppe von Unternehmen hat nämlich beantragt, die Nutzung auch nach 2022 zuzulassen. Der Antrag hat ein neues Überprüfungsverfahren in Gang gesetzt.

Fazit: Wer Spaghetti kaufen möchte, kann bei Bio-Produkten unbesorgt zugreifen. Zu diesem Schluss kommt der Testbericht von Ă–ko-Test (Ausgabe 02/2021). Alle fĂĽnf Nudelprodukte in Bioqualität schneiden mit der Note „Sehr gut“ ab, darunter der Testsieger von Alnatura und die gĂĽnstigen dm-Spaghetti. Unter den herkömmlichen Produkten geht der Testsieg an die D’Antelli Spaghetti von Aldi Nord.


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