26 Native Olivenöle extra im Test: Die Hälfte ist „mangelhaft“

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Ein knackiger Salat, ein aromatisches Dressing: Ein kräftiger Schuss Olivenöl soll viele Speisen abrunden. Das Öl aus der Olive schmeckt angenehm fruchtig, leicht bitter und scharf. Zudem gilt es als äußerst gesund. In Ausgabe 2/2016 des Testmagazins hat die Stiftung Warentest 26 Olivenöle unter die Lupe genommen – mit ernüchterndem Ergebnis. Wir sagen Ihnen, warum viele Olivenöle im Test nicht überzeugen und worauf Sie beim Kauf von Olivenöl achten sollten.

Nur ein Olivenöl besteht den Test mit der Note „Gut“

Von den 26 getesteten Olivenölen schneidet nur eins mit der Gesamtnote „Gut“ ab, und zwar das O-Med Picual Extra virgin olive oil. Der Testsieger punktet mit „sehr guter“ sensorischer Qualität: So schmeckt das Öl intensiv fruchtig, bitter wie auch scharf und bringt Noten von frisch geschnittenem Gras mit. Die Laboranalyse ergab keine Diskrepanz zwischen dem angegebenem Herkunftsland Spanien und der tatsächlichen Herkunft der Oliven. Die Tester bemängeln allerdings eine unklare und nicht den Bestimmungen entsprechende Deklaration. Außerdem kostet die 500 ml-Flasche O-Med Picual Extra virgin olive oil etwa 20 Euro.

Die Ergebnisse des Testsiegers im Überblick:
+ sensorische Beurteilung: „sehr gut“, schmeckt intensiv fruchtig, bitter und scharf
+ chemische Qualität: „gut“
+ Schadstoffbelastung: „befriedigend“
+ Herkunft: Spanien, durch Laboranalyse bestätigt
+ Deklaration: „ausreichend“

13 getestete Olivenöle sind „mangelhaft“

Kein einziges Olivenöl im Test weist ein einwandfreies Etikett auf. Nur fünf Öle führen die Pflichtangaben „Natives Olivenöl (extra)“, Güteklasse und Herstellungsverfahren sowie Herkunftsland wie von der Olivenöl-Verordnung vorgeschrieben. Eine unzureichende Deklaration kritisieren die Tester auch bei den neun Olivenölen im Test, die das Urteil „Befriedigend“ erhalten, darunter

  • das sensorisch „sehr gute“ Hacienda Iber Arbequina Natives Olivenöl extra (ca. 16 Euro pro Liter),
  • das sensorisch „gute“ Andorinha Portugal Natives Olivenöl Extra von Lidl (ca. 6 Euro pro Liter),
  • das sensorisch „gute“ Monini Gran Fruttato Natives Olivenöl extra (ca. 14 Euro pro Liter, hier erhältlichMonini Gran Fruttato Natives Olivenöl bei Amazon),
  • das sensorisch „gute“ Rapunzel Kreta Natives Olivenöl extra (ca. 18 Euro pro Liter, hier erhältlichRapunzel Kreta Natives Olivenöl extra bei Amazon),
  • das sensorisch „gute“ Italia Natives Olivenöl extra von Edeka (ca. 12 Euro pro Liter),
  • das Latzimas Natives Olivenöl extra (ca. 5 Euro pro Liter),
  • das sensorisch „gute“ Piccardo & Sayorè Olio extra vergine di Oliva (ca. 20 Euro pro Liter),
  • das Cretan Prince Griechisches natives Olivenöl extra (ca. 8 Euro pro Liter) und
  • das Italia Natives Olivenöl Extra von Aldi Nord (ca. 12 Euro pro Liter) .

Beim Olivenöl von Rapunzel fehlen Angaben zur Lagerung. Das Öl von Edeka – immerhin bestes Olivenöl in der Kategorie Deklaration –  enthält Mineralöl-Kohlenwasserstoffe. Für die Olivenöle Kloster Toplou, Gaea Region Calamata und La Espanola Olivenöl gibt es das Urteil „Ausreichend“. Auch das Kloster Toplou Öl enthält Mineralöl-Kohlenwasserstoffe. Für ganze 13 Olivenöle vergibt die Stiftung Warentest das Prädikat „Mangelhaft“, z. B. an die Öle von Aldi Nord, Alnatura und Livio. Der Grund: Häufig bestätigte sich die angegebene Herkunft nicht.

In einigen Ölen fanden die Tester zudem Mineralöl-Kohlenwasserstoffe und Weichmacher. Das Öl von Carbonell enthält dem Test zufolge sogar polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK, hier erfahren Sie mehr) die als krebserregend gelten. In einem früheren Test fiel schon das Bertolli-Olivenöl als sensorisch unzureichend und aufgrund fehlender Herkunftsangabe durch. Im aktuellen Olivenöl-Test blieb das Bertolli-Olivenöl jedoch unberücksichtigt.


 
Tipp: In Heft 7/2014 hat Stiftung Warentest schwarze Oliven getestet. Welche Oliven am besten schmecken und keine Schadstoffe enthalten, lesen Sie hier.


Wie wird Olivenöl hergestellt?

Für die traditionelle Herstellung von Olivenöl werden die Oliven zunächst zu einem Brei verarbeitet. Dieser Brei wird auf Matten gestrichen und gestapelt. Eine hydraulische Presse presst schließlich das Öl und das Wasser heraus. Eine Zentrifuge trennt das Öl vom Wasser. Auf diese Weise entstandenes Olivenöl wird als „kaltgepresst“ bezeichnet. Bei der „Kaltextraktion“ werden die Oliven maschinell zu einem Brei verarbeitet und durch ein Rotations-System von Öl und Wasser getrennt. Öl und Wasser trennt auch bei diesem Verfahren eine Zentrifuge.

Olivenöl – was ist drin?

Olivenöl enthält Fettsäuren, vor allem einfach ungesättigte Fettsäuren. Den Geschmack geben die Scharf- und Bitterstoffe Polyphenole. Der Blattfarbstoff Chlorophyll verleiht dem Öl seine Farbe. Außerdem enthält Olivenöl Wachs sowie Alkohole und Esther aus der Frucht, die jedem Olivenöl eine individuelle Note verleihen.

Was bedeuten Kalt gepresst, Nativ, Nativ extra und Extra Vergine?

Wenn Sie Olivenöl kaufen und möglichst gutes Olivenöl erhalten möchten, bieten die unterschiedlichen Güteklassen Orientierung. Kalt gepresstes Olivenöl wird im klassischen Mattenverfahren ohne Hitzezufuhr hergestellt. Natives Olivenöl extra, oft auch als Extra Vergine bezeichnet, entspricht der höchsten Güteklasse: Das Öl muss in Geruch und Geschmack fehlerfrei sein und mittels mechanischer Verfahren hergestellt werden. Natives Olivenöl darf leichte sensorische Fehler aufweisen, muss aber fruchtig sein. Olivenöl ohne Güteklasse spielt im Handel kaum eine Rolle. Es ist eine Mischung aus raffiniertem und nativem Olivenöl.

Ist Olivenöl zum Braten geeignet?

Darf man Olivenöl zum Braten in die Pfanne geben? Bei dieser Frage scheiden sich oft die Geister. Tatsache ist: Kalt gepresstes, natives Olivenöl hat einen Rauchpunkt von 160 °C. Ab dieser Temperatur beginnt also das Öl zu qualmen und es bildet sich das gesundheitsschädliche Acrolein. Eine heiße Pfanne erreicht jedoch rund 200 °C. Möchten Sie mit Olivenöl braten, sollten Sie sich daher für raffiniertes Olivenöl entscheiden, das wesentlich hitzebeständiger ist.

Wie sollte man Olivenöl aufbewahren?

Olivenöl ist licht- und temperaturempfindlich. Lagern Sie angebrochenes Olivenöl in gut verschlossenen in Flaschen, am besten im Kühlschrank, aber auf keinen Fall unter 5 °C oder über 25 °C. Gutes Olivenöl ist etwa 24 Monate lang haltbar.

Warum ist Olivenöl so gesund?

Ungesättigte Fettsäuren stehen im Ruf, den Cholesterinspiegel zu senken und sich positiv auf das Herz auszuwirken. Darüber hinaus enthält Olivenöl Vitamin E und Polyphenole, die als entzündungshemmend und krebsvorbeugend gelten.

Für was kann man Olivenöl noch verwenden?

Olivenöl ist nicht nur für den Salat gut, sondern auch eine preiswerte Pflege für Haut und Haar. Gerade im Winter vertagen trockene Hände und Fingernägel ein Bad in einer Schüssel mit warmem Olivenöl. Aus Olivenöl und grobem Meersalz lässt sich ein wohltuendes Ganzkörperpeeling herstellen. Etwas Olivenöl auf spröde Spitzen aufgetragen und für 30 bis 60 Minuten eingewirkt, verleiht den Haaren Glanz.

Fazit: Olivenöl ist gesund und in fast jeder Küche zu finden. Doch vor allem die Deklaration der Olivenöle lässt häufig zu wünschen übrig. Das zeigt der Olivenöl-Test in Ausgabe 2/2016 der Stiftung Warentest. Nur für fünf Öle können die Tester eine Empfehlung vergeben.

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