Messenger-Apps im Test: Hoccer geht „vorbildlich“ mit persönlichen Daten um

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Smartphone-Nutzer versenden täglich Millionen von Kurznachrichten. Statt klassischer SMS nutzen sie dabei Messenger-Apps verschiedener Anbieter, z. B. WhatsApp oder Threema. Anders als SMS sind Messenger-Nachrichten kostenlos. Aber wie sicher sind die Dienste eigentlich? Welche Dienste versenden Nachrichten verschlüsselt? Das wollten auch die Tester der Stiftung Warentest wissen und haben in Ausgabe 8/2015 insgesamt 18 Messenger-Apps für iOS und Android einem Vergleichstest unterzogen. Das Ergebnis: Testsieger und zugleich sicherste Messenger-App im Test ist Hoccer.

Testsieger Hoccer geht „vorbildlich“ mit persönlichen Daten um

Hoccer ist eine kostenlose App, über die Sie Texte, Audio-Dateien, Videos und Bildnachrichten versenden können. Sprach- oder Videoanrufe sind nicht möglich. Im Test erhält sie das Gesamturteil „Gut“: Die deutsche App ist einfach zu handhaben und eignet sich „gut“ zum Schreiben und Versenden von Nachrichten. Außerdem können Sie Hoccer ohne Angabe von Namen, Rufnummer und Mail-Adresse nutzen. Das macht die Messenger-App besonders sicher. Zur Verfügung steht die Messenger-App für Android und iOS.

Die Eigenschaften der sichersten App im Überblick:

  • Betriebssystem: Android (Version 3.1.6) und iOS (Version 3.2.22)
  • Verschlüsselung: Ende-zu-Ende
  • Server in Deutschland
  • simple Bedienung
  • Lesebestätigung optional

Threema ist zweitbeste Messenger-App im Vergleich

Auf den zweiten Platz im Vergleichstest kommt Threema, ebenfalls mit dem Gesamturteil „Gut“. Die App steht als Variante für Android und iOS zur Verfügung, beide Versionen überzeugen im Praxistest. Sie eignet sich „gut“ zum Schreiben und Versenden von Nachrichten und „sehr gut“ zum Versenden von Bildern, Audionachrichten und Videos. Die Handhabung ist kinderleicht. Threema hatte als sichere Alternative zu WhatsApp auf sich aufmerksam gemacht. Der Schweizer Anbieter bietet eine Ende-zu-Ende Verschlüsselung, die Angabe der Telefonnummer bei Registrierung ist freiwillig. Zusammen mit WhatsApp ist Threema die einzige kostenpflichtige Messenger-App im Test, der Download kostet 1,99 Euro.

Die Eigenschaften von Threema im Überblick:

  • Betriebssystem: Android (Version 2.31) und iOS (2.3.1)
  • Verschlüsselung: Ende-zu-Ende
  • Server in der Schweiz
  • sehr simple Bedienung, viele individuelle Einstellungen möglich
  • Lesebestätigung optional

Die Messenger-App Line holt Bronze im Test

Die Drittplatzierte unter den Messenger-Apps im Test kommt aus Japan: Line für Android und iOS erhält ebenfalls das Testurteil „Gut“. Die kostenlose App bietet eine besonders einfache Bedienung: Stehen zwei Nutzer nebeneinander, lassen sich Kontaktdaten etwa durch einfaches Schütteln des Smartphones hinzufügen. Jedoch bietet Line keine Ende-zu-Ende Verschlüsselung, der Anbieter kann Nachrichten mitlesen, bei Anmeldung fragt die App Telefonnummer oder Facebook-Account ab.

Die Eigenschaften von Line im Überblick:

  • Betriebssystem: Android (Version 5.1.3)und iOS (Version 5.1.2)
  • keine Ende-zu-Ende Verschlüsselung
  • Server in Südkorea
  • simple Bedienung
  • Lesebestätigung: ja

Weitere „gute“ Messenger-Apps im Test der Stiftung Warentest

Im Test mit dem Betriebssystem Android gab es nur ein weiteres Mal das Testurteil „Gut“: für den BlackBerry Messenger. Mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist die Messenger-App sicher, fragt allerdings die E-Mail-Adresse bei Anmeldung ab. Unter den Apps für iOS schneidet ChatSecure noch mit dem Testurteil „Gut“ ab. Die Messenger-App für iPhone bietet ebenfalls Ende-zu-Ende Verschlüsselung und erlaubt Verbindungen über das verschlüsselte Tor-Netzwerk, über das sich Nutzer nicht zurückverfolgen lassen. Die Einrichtung ist jedoch recht kompliziert und eignet sich eher für technisch versierte. Die Android-Version von ChatSecure sendete im Test zudem keine Audio-Nachrichten und erhielt das Urteil „Befriedigend“.

Acht Messenger-Apps schneiden mit „Befriedigend“ ab

Acht Messenger-Apps im Vergleich schneiden mit dem Urteil „Befriedigend“ ab. Dazu gehört der bei den Nutzern beliebteste Dienst WhatsApp (ab dem zweiten Jahr 89 Cent/Jahr) in der Android- und in der iOS-Version. Die App ist zwar einfach zu bedienen, bietet aber keine Ende-zu-Ende Verschlüsselung und die Rufnummernangabe ist bei Anmeldung Pflicht.

Ebenfalls ein „Befriedigend“ erhielten die Andriod- und iOS-Versionen von Viper und der Facebook-Messenger. Die Android-App TextSecure Private Messenger und die Messenger-App für iOS Signal sind durch ihren offenen Quellcode besonders transparent und bieten Ende-zu-Ende Verschlüsselung, verlangen aber nach der Rufnummer und lesen das interne Telefonbuch automatisch aus.

3 Tipps rund um Messenger-Apps

  • Die Ende-zu-Ende Verschlüsselung vermeidet, dass Hacker Ihre persönlichen Daten ausspähen. Ende-zu-Ende Verschlüsselung bedeutet, dass die Nachricht auf dem Gerät des Absenders verschlüsselt und erst beim Empfänger wieder entschlüsselt wird. Selbst der Anbieter der Dienste kann die Nachrichten so nicht mitlesen. Unter den Apps im Test bieten Hoccer, Threema, BlackBerry, ChatSecure und TextSecure/Signal diesen Service.
  • Achten Sie außerdem darauf, dass die Apps für die Anmeldung so wenige persönliche Daten wie möglich von Ihnen wissen möchten. Sicher sind Ihre Daten zudem, wenn die Apps nicht auf das Telefonbuch Ihres Smartphones zugreifen. Im Test greifen WhatsApp, Viper und TextSecure auf das Telefonbuch zu.
  • Messenger-Apps gelten als die größten Akku-Fresser unter den Apps. Um die Akkulaufzeit Ihres Smartphones zu schonen, schalten Sie die App am besten aus, wenn Sie sie nicht benötigen.

Fazit: Messenger-Apps können heute durchaus sicher sein. Stiftung Warentest zeigt in Ausgabe 8/2015, welche Dienste besonders sorgsam mit Ihren Daten und Nachrichten umgehen.

Kommentare (2)

  • Gertrude F. sagt:

    Weshalb ist Threema nur zweiter?! Hab‘ Hoccer auch mal ausprobiert, aber nicht nur geht Threema genauso zurückhaltend mit privaten Daten um (alle Zugriffe auf persönliche Daten können verwehrt werden, die App kann zudem auch anonym genutzt werden), sondern bietet auch einen weitaus grösseren Funktions-Umfang (Stichwort „Abstimmungen“).

  • Saskia sagt:

    Hallo Gertrude,

    Threema schneidet in den Testfeldern „Funktionen“ und „Umgang mit persönlichen Daten“ etwas schlechter ab als Hoccer: So sind mit Threema z. B. keine Sprach- und Videoanrufe möglich. Dementsprechend verfehlt die Messenger-App nur knapp den Testsieg.

    Schöne Grüße,
    das Team von Produkte im Test

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